Wie, bitte geht es nach China?

Jede Kultur bedingt ein stetiges und hohes Qualitätsniveau der schöpferisch Tätigen. Dies gilt auch für die Typografie, zumal erst durch sie viele kulturelle Ausdrucksformen sichtbar werden. Qualität ist somit ein essenzieller Bestandteil des gemeinsamen Werteempfindens von Typografinnen und Typografen: Das ständige Streben nach hoher Qualität ist untrennbar mit ihrer beruflichen Identität verknüpft.


Typografierende verleihen ihren Erzeugnissen eine hohe Qualität, indem sie diese mit Eigenschaften und Merkmalen so gestalten, dass die Erfordernisse im Sinne

  • der gestellten Aufgaben,
  • der Betrachter,
  • des Produktnutzens sowie
  • der Inhaltsvermittlung

optimal erfüllt sind.


Qualitätsvolle Typografie ist als Gesamtheit und in ihren Merkmalen überprüfbar und durch ihre Gestalter begründbar. Diese geben kompetente und verlässliche Auskünfte zu ihrem Metier. Gut Typografierende halten ihre Fachkenntnisse, ihre Fertigkeiten sowie ihr gestalterisches Vermögen auf hohem und aktuellem Stand, z. B. durch Fachliteratur, Seminare, Internet und kollegialen Austausch.


Grundverständnis

Qualitätsvolle Typografie setzt Kenntnisse und Fertigkeiten voraus, die zur Bewältigung jedes Gestaltungsauftrages notwendig sind: das gestalterische Verständnis zur Lösung der Aufgabe, die fachlich korrekte Umsetzung der gestellten Aufgabe, die optimale Ansprache der Zielgruppe(n) sowie die Fähigkeit, umfassend und kompetent zu beraten.


Dazu gehören die Anforderungen:

  • den Sinn und Stellenwert der Aufgabe zu verstehen;
  • den Inhalt und seinen Charakter zu durchdringen und damit seine Beschaffenheit, Ordnungen sowie Kontexte zu erkennen;
  • produkt- und zielgruppenrelevante Rezeptionsgewohnheiten zu kennen und zu berücksichtigen;
  • bestehende Gestaltungsrichtlinien (Corporate Design) zu beachten und diszipliniert umzusetzen bzw. weiterzuentwickeln;
  • der Aufgabe und ihrem Stellenwert gemäß verantwortungsvoll und wirtschaftlich zu arbeiten.

Gestaltung

Qualitätsvolle Typografie verwendet die Gestaltungsmittel, die der Aufgabe, ihrem Inhalt und ihrer Zielgruppe(n) angemessen sind. Für die Festlegung der Gestaltungsmittel sind neben den Kenntnissen der Inhaltsvermittlung vor allem ein Streben nach dem Optimum an Ästhetik, Eigenständigkeit, Gestaltungs- und Schöpfungshöhe unerlässlich. Stilkenntnis und Stilsicherheit zeigen sich in der Gestaltungskonzeption durch die Stimmigkeit und den Zusammenklang folgender Gestaltungsmittel:

  • einem Layout, das den Inhalten sowie dem technischen und atmosphärischen Umfeld gerecht wird und die inhaltlichen Gliederungen und Dramaturgien gestalterisch wiedergibt.
  • Formate, Formatlagen, Satz- und Bildspiegel, Spaltenanzahlen und -breiten.
  • einer Farbwahl und Festlegung eines Farbklimas unter Berücksichtigung von atmosphärischer und inhaltlich-konsistenter Leserführung sowie dem Zusammenklang mit Abbildungen und Bedruckstoffen.
  • einer Typografie, die die Auswahl und Anordnung von Bildern und grafischen Elementen treffend ergänzt und unterstützt.
  • einer fachlich richtigen Wahl, Mischung und Auszeichnung von Schriften unter typografischen, inhaltlichen und herstellungstechnischen Gesichtspunkten.
  • der Verwendung qualitätsvoll hergestellter Schriften mit vollständigen Zeichensätzen und Schriftschnitten, insbesondere von Kapitälchen und Minuskelziffern.
  • einem stimmigen stil-, schrift- und typografiegeschichtlichen Bezug und dem Streben nach einer zeitgemäßen Weiterentwicklung der visuellen Kultur.
  • einer Gesamtgestaltung, die primär auf das Produkt und seinen Gebrauch bezogen ist.

Funktion

Qualitätsvolle Typografie ist handwerklich korrekt und mit spezifischen mikrotypografischen Kenntnissen sorgfältig ausgeführt. Dabei werden die folgenden Punkte konsequent eingehalten:

  • Führung der Leserschaft mittels einer dem Inhalt folgenden Textgliederung durch schlüssige Schriftauszeichnung und Absatzkennzeichnung.
  • Lesbarkeit und Leserlichkeit der Texte durch Schriftanordnung, -wahl, -auszeichnung und angemessene Schriftgrößen.
  • Einhaltung mikrotypografischer Satzregeln in Bezug auf Satzbreiten, Buchstaben-, Wort- und Zeilenzwischenräume, Silbentrennung, den Ziffernausgleich und -gliederung.
  • Verwendung der fachlich richtigen Satzzeichen und eine konsequente Überwachung der richtigen Schreibungen, z. B. nach dem Duden.
  • Einsatz von fachlich richtigen Herstellungstechniken in Bildbearbeitung, Druck und buchbinderischer Ausstattung und Verarbeitung.

Gemeinsame Erklärung

Das Streben nach einer hohen visuellen Qualität ist die gemeinsame Leidenschaft von Typografinnen und Typografen. Deshalb wird die Einhaltung dieser Kriterien von mehreren Fachverbänden unterstützt und ihren Mitglieder empfohlen.

Bei unserer Arbeit verwenden wir ausschließlich lizensierte Programme und Schriften.

Die Bereitschaft mitzudenken und Verantwortung zu übernehmen prägt unser Tun.

Die Qualitätskriterien für gute Typografie wurden 2006 vom Forum Typografie e. V. initiiert, verfasst und veröffentlicht. Sie werden mitgetragen vom:

  • Forum für Entwerfen e. V. (3 - 2006)
  • BDG :Bund Deutscher Grafik-Designer e. V. (4 - 2006)
  • TDC: Deutsches Komitee des Type Directors Club of New York (6 - 2006)
  • AGD Allianz deutscher Designer e. V. (11-2006)
  • TGM Typographische Gesellschaft München e. V. (2-2007)

Veröffentlicht im Mai 2006 vom Forum Typografie e.V.
mailatforum-typografie.de
www.forum-typografie.de


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